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27. Raketenbrigade in der 20. Garde-Armee

 

Zu den Stabstruppen der 20. Garde-Armee (Eberswalde) gehörte die 27. Raketenbrigade, welche auf den Truppenübungsplätzen um Jüterbog wechselnde Feuerstellungen belegt hatte. Die Brigade war mit der Operativ-Taktischen Rakete 8 K 14 ( NATO-Code SCUD-B, USA-Bez.: SS-1c ) ausgerüstet. Die Rakete erreicht Ziele in 50 bis 300 km Entfernung und kann neben konventionellen Gefechtsköpfen auch chemische (dafür konnte ein Depot in Altes Lager nachgewiesen werden) und nukleare (die vermutlich im Sonderwaffenlager Linda-Stolzenhain südlich Welsickendorf gelagert waren) Gefechtsköpfe tragen; letztere mit 20, 50 oder 100 KT (Kilotonnen Trinitrotoluol-Äquivalent) Sprengkraft.

Die 27. Raketenbrigade bestand aus drei Abteilungen zu je drei Batterien mit je einem Komplex 9 K 72, einer Technischen Batterie und einer Meteorologenbatterie. Damit verfügte eine jede Abteilung über drei Startrampen 9 P 117 M1 auf der Basis eines geländegängigen 8x8 Lkw MAS-543, drei Isothermfahrzeug 9 F 223 auf Lkw SIL-131 für den klimatisierten Transport der Gefechtsköpfe, drei Raketentransportfahrzeuge 2 T 3 M1 und je ein Prüffahrzeug 9 W 41 und 2 W 11 und ein Ersatzteilfahrzeug 2 Scha1 auf Lkw SIL-131 KUNG zur technischen Vorbereitung und Wartung der Bordgeräte der Rakete. Hinzu kommen je Startbatterie ein Komplex an Tankfahrzeugen für Brennstoff, Oxydator und zur Neutralisation sowie ein fahrbarer Kompressor 8 G 33 U und eine Führungsstelle 9 S 436, alle auf Kfz.-SIL-131/157 spez.

Wie Einwohner berichten, soll zeitweilig ein Teil der Brigade bei Gottow „im Wald“ gelegen haben. Wegen der Schutzbekleidung der Bedienungsmannschaften sprachen die Bewohner von „den Schwarzjacken“, die ab Anfang der 80er Jahre dort die Gegend unsicher machten. Sehr wahrscheinlich sind die 9 Raketenkomplexe immer wieder im Bereich der beiden Truppenübungsplätze Jüterbog und Heidehof verlegt worden, um die gegnerische Aufklärung zu erschweren.

 

Gefechtsexerzieren mit dem Waffensystem der 27. Raketenbrigade auf dem TrÜbPl Jüterbog. Das Foto stammt aus russ. Quellen. 1995 wurde auf dem Schrottplatz Altes Lager ein Übungsgefechtskopf dieses Raktensystems gefunden. Er ist heute im Heimatmuseum Jüterbog zu besichtigen.

Als Gefechtssatz einer Startrampe 9 P 117 M/M1 wurden in der Armee, hier also in der 20. Garde-Armee, 3 Raketen vorgehalten. Eine befand sich in der Brigade, die anderen beiden in der BRTB (Beweglichen Raketentechnischen Basis der Armee). Die Gefechtsköpfe wurden gesondert gelagert. Ein Zugriff war nur über eine spezielle Freigabeprozedur des Oberbefehlshabers der Front möglich.

In der Raketenbrigade lag der Träger in Zeiten ohne erhöhter Gefechtsbereitschaft hermetisch verpackt auf dem Raketentransportfahrzeug 2 T 3/3M/3M1 im Zustand der Bereitschaftsstufe BS-6. Hier war mit dem Transportgestell 2 Scha 3 auch die Lagerung von 2 Trägern möglich. Erst bei Auslösung einer höheren Stufe der Gefechtsbereitschaft wurden die Startrampen beladen und schrittweise die Bereitschaftsstufe der Rakete bis zur BS-1 angehoben.