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Nachrichtenschule



Nachdem mit dem „Gesetz für den Aufbau der Wehrmacht“ vom 16. März 1935 die Grundlage für eine unbeschränkte Aufrüstung Deutschlands gelegt worden war, ging die Wehrmachtsführung daran, in Halle/Saale je eine Nachrichtenschule für das Heer und die Luftwaffe aufzubauen. Von der Jüterboger Heeresnachrichtenschule wie auch von der Jüterboger Nachrichten-Lehr- u. Versuchsabteilung wurden Vorauskommandos mit entsprechenden Geräten ausgerüstet nach Halle kommandiert, um dort bei der Vorbereitung und Durchführung der Bauarbeiten mitzuwirken.

Die bisherige „Abteilung D“ der Artillerieschule Jüterbog firmierte von da an offen als „Nachrichtenschule des Heeres“. Zugleich gab es die verdeckte Vorbereitung für die Aufstellung einer Nachrichtentruppe für die noch zu bildende Luftwaffe.

Mitte des Jahres 1935 ist die Hälfte jeder der beiden Kompanien der Jüterboger Heeresnachrichtenschule „zum Schießplatz“ verlegt worden, das heißt, die Männer kamen von den Fuchsbergkasernen nach Altes Lager in das dortige Truppenlager. Einer von ihnen war Karl Hils[1]. Der gebürtige Heidelberger trat am 1. Mai 1934 als Freiwilliger in die Reichswehr ein. Anfangs bei I.R. 14 in Tübingen eingestellt, erfolgte bald die Versetzung zu der noch in Tarnung befindlichen zukünftigen Luftwaffe. „Reklamefliegerstaffel Gotha“ hieß seine erste Fliegereinheit, bei nicht nur Reichswehrangehörige, sondern auch Polizisten und andere Staatsangestellte mit der Fliegerei vertraut gemacht wurden. Nach einem 6monatigen Lehrgang als Techniker, ist Hils nach Jüterbog kommandiert worden. Als der Umzug von den Fuchsbergkasernen nach Altes Lager stattfand, trug er schon Luftwaffenuniform.[2] Hils berichtete, daß bei der Unterbringung in Altes Lager die Männer in viel schlechtere Quartiere ziehen mußten – ein Preis für die personelle Aufstockung, bei der das Unterkunftswesen kaum nachkam. Es sollte aber wirklich nur eine Übergangslösung gewesen sein. Auch sahen es andere gelassener. Auf einer Ansichtskarte[3] vermerkte der Funker Gerber vom Nachrichtenlehrkommando Altes Lager: „Wir sind 13 Mann auf der Stube, ein paar Berliner darunter. Da ist abends Leben in der Bude...“ Interessanterweise ist die Karte vom 6. November 1934 datiert, also ein halbes Jahr vor Gründung der Luftwaffe und dem Auszug von Teilen der Abteilung D aus den Fuchsbergkasernen. Die nach Altes Lager ausgegliederte Truppe hieß „Luftnachrichtenlehrgänge an der Heeresnachrichtenschule“ und war somit immer noch ein Teil der Abteilung D. Ihr erster Kommandeur war Oberstleutnant Erdmann.[4]

In diese Zeit fällt eine Änderung der Uniformierung der Nachrichtentruppe. Während in der Reichswehrzeit als Waffenfarbe Rehbraun getragen wurde, konnte man nun die Nachrichtentruppe des Heeres an zitronengelber Paspelierung und entsprechenden Kragenspiegeln erkennen.

Die Heeresnachrichtenschule hatte offiziell bis zum 29. Juli 1935 in Jüterbog ihren Sitz. Generalmajor Ernst Sachs, zuvor in Jüterbog Lehrgangsleiter, war am 01.10.34 Kommandeur der Schule geworden. Das blieb er bis nach dem Umzug, und zwar bis zum 01.10.1936. Kommandeur der Nachrichten-Lehr- u. Versuchsabteilung, die ebenfalls in der Fuchsbergkaserne lag, war zur Zeit des Umzuges Major, später Oberstleutnant, Schubert (01.04.34-15.10.35). [5]

Die letzten Angehörigen der früheren Abteilung D zogen im August desselben Jahres nach Halle/S. um. Und zwar bereits getrennt nach Heeres- und Luftnachrichten. Die Männer aus den Fuchsbergkasernen kamen unter Führung von Oberstleutnant Löweneck in die neue Heeresnachrichtenschule[6]. Die aus Altes Lager in die Luftnachrichtenschule[7]. Im Nordwesten der Saalestadt hatten die beiden Nachrichtenschulen in einer neu errichteten Kasernenanlage entsprechenden Platz gefunden. Siehe auch Luftnachrichtenschule und Heeresnachrichtenschule Halle.



[1] Pers. Mitteilung des inzwischen verstorbenen Zeitzeugen.

[2] vgl. Schulze, Henrik: Die Jüterboger Garnison. Verlag Kaim. Jüterbog 1997.

[3] Privatsammlung Roßmann.

[4] Völker, Karl-Heinz: Die Deutsche Luftwaffe 1933-1939. Ausbau, Führung und Rüstung… Stuttgart 1967. Beiträge zur Militär- und Kriegsgeschichte Bd. 8. S. 233.

[5] Hinweis Hans Georg Kampe.

[6] Auch Werner GRAHL kam in die Heeresnachrichtenschule, bis ihn seine weitere militärische Laufbahn zu solchen Stationen führte wie dem Nachrichtenzug im Führerbegleitbataillon und der Nachrichtenzentrale des Oberkommandos, dem Bunker Zeppelin in Wünsdorf, wo er jeweils für die Fernschreiber verantwortlich war.

[7] Karl HILS erhielt nach seiner Verlegung nach Halle an der dortigen Luftnachrichtenschule eine Ausbildung als Peilfunker, die für kurze Zeit nochmals auf den Fliegerhorst Altes Lager kommen ließ.