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Sturmartillerie

 

Jüterbog – Wiege der Sturmartillerie

Das Sturmgeschütz entstand Mitte der 30er Jahre aus den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges als Sonderwaffe der Artillerie. In den Kämpfen des letzten Krieges zeigte sich, daß MG-Nester, die die Infanterie niederhielten, nur im direkten Schießen der leichten Artillerie zu zerstören waren. Die Bedienungen der Infanteriegeschütze, die im Feuer der gegnerischen Maschinengewehre ihre Kanonen in Stellung brachten, erlitten dabei große Verluste. So entstand die Idee, leichte Infanteriegeschütze auf Kettenfahrzeugen gepanzert beweglich zu machen.

Nach der Biographie des Feldmarschalls MODEL war er es gewesen, der damals noch als Chef der Abteilung 8 des Truppenamtes der Reichswehr die Anregung für die Konstruktion eines „motorisierten, gepanzerten Infanteriebegleitgeschützes anstelle der pferdebespannten Begleitartillerie“ gab. Nach anderer Quelle ist Erich von MANSTEIN der Schöpfer der neuen Waffe. Auch er hatte als Chef der Operationsabteilung beim Generalstab des Heeres eine „feuerstarke, geländegängige und unter Feuerschutz kämpfende Begleitwaffe für die Infanterie“ gefordert. Schon 1935 legte er dem Chef des Generalstabes des Heeres und dem Oberbefehlshaber des Heeres eine Denkschrift vor, die von Generaloberst Freiherr v. FRITSCH gebilligt wurde. Doch durch die Ablösung des Oberbefehlshabers und das gleichzeitige Ausscheiden MANSTEINS aus der Operationsabteilung erhielt die Idee einen Rückschlag, so daß erst zum Frankreichfeldzug einsatzbereite Sturmgeschütze zur Verfügung standen.

Im Sturmgeschütz war zum Unterschied vom eigentlichen Panzer die Kanone nicht in einem vollbeweglichen Drehturm untergebracht. Sie war direkt über der Fahrzeugwanne gelagert. Die Vorteile sind ein relativ niedriger Gesamtaufbau und eine einfachere und billigere Produktion. Letztere spielte für Deutschland im Rüstungswettlauf eine besondere Rolle, da die wichtigsten zukünftigen Feindstaaten bereits über eine zahlenmäßig große Panzertruppe verfügten. Der Nachteil der Konstruktion der Sturmgeschütze bestand vor allem in dem geringen Seitenrichtfeld der Kanone, weshalb das gesamte Fahrzeug mitdrehen mußte. Es eignete sich am besten das leichtere Fahrgestell des Panzers III. Organisatorisch gehörten die Sturmgeschütze nicht zur Panzerwaffe, sondern zur Artillerie. Daher beginnt ihre Entstehungsgeschichte in der Artillerieschule Jüterbog.

Ab 1937 begann die 7. Batterie (mot) des Jüterboger Artillerielehrregiments (ALR) mit Erprobungen von Versuchsmustern. Schon im selben Jahr erfolgte eine Vorstellung des Prototyps in der Heeresversuchsstelle Kummersdorf. 1938/39 gab es bereits Verbandsübungen, ausgeführt von der IV. Abteilung des Lehrregiments der Artillerieschule.

Bis 1943 blieb die Artillerieschule Jüterbog das Zentrum der Sturmartillerie. Ausgehend von der 7. / ALR 2 (mot) als Versuchsbatterie, wurde dann die VI. Abteilung des Lehrregiments, später die III. Abteilung des Lehrregiments 2 (mot) die Ausbildungsstätte der neuen Waffe. Hier wurden zusammen mit der Inspektion IV beim Oberkommando des Heeres die Richtlinien über den Einsatz und die Gliederung erarbeitet. Die Schießausbildung erfolgte durch das Lehrregiment der Artillerieschule.

Eine weitere Besonderheit bildete der Umstand, daß die Aufstellung der Batterien, Abteilungen und Brigaden grundsätzlich auf der Basis von Freiwilligenmeldungen erfolgte. Auch bei der Ergänzung griff man auf Freiwillige zurück. Die Waffenfarbe der Sturmartilleristen war hochrot, wie die der übrigen Artillerie. Anfänglich trugen die Sturmartilleristen eine schwarze Panzer-Uniform, die aber später dem feldgrauen Tuch der allgemeinen Heerestruppen weichen mußte. Lediglich der Schnitt, die kurze zweireihig geknöpfte Jacke war ähnlich der Panzertruppe.

Zur Erprobung und weiteren Vervollkommnung der neuen Waffe standen bis zum September 1939 lediglich fünf Versuchsgeschütze zur Verfügung. Sie waren zum Kriegsbeginn im Polenfeldzug noch nicht verwendungsfähig. Es handelte sich um die kurze 7,5-cm-Kanone, montiert auf das Fahrgestell des Panzerkampfwagens III, Ausführung B (Typ 2/ZW). Diese ersten fünf Geschütze in Jüterbog waren tatsächlich nur Übungsgeräte, da beispielsweise die Panzerkasematte noch nicht aus stabilem Stahl, sondern nur aus Flußeisen gefertigt war.

Im Februar 1940 konnte die erste Nullserie (Ausführung A) von 30 Sturmgeschützen zum Truppenversuch ausgeliefert werden. Sie waren auf das 5/ZW-Fahrgestell des Panzers III, Ausführung E, montiert. Bis zum Beginn des Frankreichfeldzuges am 10. Mai 1940 gab es 40 einsatzfähige Fahrzeuge. In vier Batterien zusammengefaßt, bewiesen sie im Sommer 1940 ihre Kriegstauglichkeit. Von den insgesamt eingesetzten 24 Sturmgeschützen gingen vier durch Kampfhandlungen verloren. Die Lehrabteilung der Artillerieschule faßte die im Frankreichfeldzug gemachten Erfahrungen zusammen. Im Ergebnis ist im Sommer 1940 eine Broschüre mit dem Titel „Die Sturmbatterie - Einsatz und Ausbildungserfahrungen“ herausgegeben worden. Darin heißt es, „dank seiner starken Panzerung und seiner Geländegängigkeit ist das Sturmgeschütz im Gegensatz zu den Geschützen der Divisions-Artillerie in der Lage, der eigenen Infanterie oder den Panzertruppen überallhin zu folgen“.

Bis zum Kriegsbeginn mit der Sowjetunion waren zehn Sturmgeschütz-Abteilungen einsatzbereit. Und ihre Anfangserfolge an der Ostfront führten dazu, daß in großer Zahl neue Einheiten zur Aufstellung kamen, was bis zum Jahre 1943 in erster Linie durch die Artillerieschule Jüterbog geschah. Im gleichen Jahre erfolgte die Gründung der Sturmartillerieschule in Burg bei Magdeburg. Neben Jüterbog besorgten weitere Ersatz- und Aufstellungsabteilungen der Sturmartillerie in Schweinfurt, Neiße, Hadersleben, Posten und Deutsch-Eylau die Ergänzung für den wachsenden Bedarf der Fronten.